Karriere & Familie Rechtsberatung

Die Rolle der Group General Counsel

Kathrin Rosenberg ist Rechtsanwältin und Unternehmensjuristin mit Schwerpunkten in Unternehmenssteuerung und Governance. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren drei Kindern lebt sie in Nürnberg, in unmittelbarer Nähe des Stammhauses. Im Interview spricht sie über ihre Rolle als Group General Counsel bei RÖDL, die Anforderungen an diese Position und die Fähigkeiten, die dafür notwendig sind. Zudem teilt sie ihre Erfahrungen zur Vereinbarkeit von Karriere und Familie und gibt Frauen, die perspektivisch eine ähnliche Rolle anstreben, konkrete Impulse.

 

Liebe Kathrin, wie ist dein beruflicher Werdegang bis hierhin verlaufen?

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften, Promotion und Referendariat in Göttingen sind wir aus beruflichen Gründen nach Nürnberg gezogen, damals bereits mit zwei Kindern. Dort begann ich meine anwaltliche Laufbahn bei Rödl im Bereich Corporate und M&A.

Nach einigen Jahren wechselte ich in die Unternehmenspraxis und übernahm als „Head of Capital Markets“ die Verantwortung für die kapitalmarktrechtliche Beratung und Governance eines Konzerns. Der Kontakt zu Rödl blieb dabei stets eng, unter anderem durch die persönliche Zusammenarbeit mit Christian Rödl in seiner dortigen Funktion als Vorsitzender des Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat.

Als wir einige Zeit später über die Besetzung der Position des General Counsel bei Rödl sprachen, war ich dafür offen. Ich hatte das Unternehmen schließlich nicht verlassen, weil mir die Kolleginnen und Kollegen oder die Unternehmenskultur nicht zugesagt hätten – im Gegenteil. Vielmehr wollte ich bewusst die Erfahrung als Syndikusrechtsanwältin in einem Unternehmen machen, ohne den Kontakt zu Rödl zu verlieren.

Im Januar 2024 bin ich als „Group General Counsel“ zurückgekehrt. In dieser Funktion verantworte ich die globale Rechtsabteilung und begleite gemeinsam mit meinem Team das Unternehmen weltweit. Meine Tätigkeit ist inhaltlich breit und abwechslungsreich. Sie umfasst unter anderem Datenschutz, IT-, Versicherungs-, Immobilien- und Haftungsrecht, Berufsrecht, Corporate Governance, Compliance, Nachhaltigkeit sowie das Risikomanagement. Daneben bin ich stark im Gesellschaftsrecht und im Bereich Corporate Affairs eingebunden, insbesondere in der Beratung unserer Geschäftsleitung, und der Gesellschafter des Unternehmens.

 

Welche Fähigkeiten sind in deiner Rolle als Führungskraft in einem großen Team am wichtigsten?

Eine klare und offene Kommunikation ist für meine Rolle als General Counsel und interne Beraterin zentral. Nur im engen Austausch mit meinem Team und der Organisation lässt sich verstehen, welche Themen das Unternehmen und die Geschäftsleitung aktuell beschäftigen.

Auch wenn mein fachlicher Schwerpunkt im Gesellschaftsrecht liegt, ist es notwendig, sich regelmäßig in neue Fragestellungen einzuarbeiten, etwa bei der rechtssicheren Nutzung von KI-Anwendungen in einem berufsrechtlich regulierten Umfeld. Dafür braucht es die Fähigkeit, sich schnell in komplexe Sachverhalte einzuarbeiten und tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Ebenso wichtig ist es, Prioritäten zu setzen und zu entscheiden, welche Themen meine unmittelbare Aufmerksamkeit erfordern und wo ich gezielt Ressourcen einsetzen muss. Ein enger Kontakt zum Team hilft mir, Unterstützungsbedarf frühzeitig zu erkennen und Überlastung zu vermeiden.

Da täglich zahlreiche Anfragen und Projekte parallel laufen, ist es entscheidend, Ruhe zu bewahren. Dabei hilft mir auch meine Rolle als Mutter, in der Geduld und Belastbarkeit selbstverständlich sind. So versuche ich, Druck aus der Organisation nicht an mein Team weiterzugeben. Voraussetzung für gutes Arbeiten sind klare Zuständigkeiten, eine transparente Aufgabenverteilung, regelmäßiger Austausch sowie ein respektvoller und vertrauensvoller Umgang.

Meine Superpowers:

  • Mein Team
  • Wertschätzender Führungsstil und klare Rollenverteilung
  • Fundiertes juristisches Fachwissen und schnelle Auffassungsgabe
  • Klare Priorisierung und Entscheidungsfähigkeit

Wir bewegen uns in einem berufsrechtlich stark regulierten Umfeld, in dem rechtliche Risiken nicht nur wirtschaftliche, sondern auch berufsrechtliche Konsequenzen haben können. Gerade diese Kombination macht die Rolle fachlich fordernd und zugleich besonders reizvoll.

Kathrin RosenbergPartnerin, Group General Counsel

Welchen Unterschied macht es, General Counsel bei Rödl im Gegensatz zu anderen Unternehmen zu sein?

Die Rolle des General Counsel bei Rödl unterscheidet sich deutlich von vergleichbaren Positionen in klassischen Konzernstrukturen. Rödl ist inhabergeführt und zugleich von Minderheitsgesellschaftern geprägt. Diese besondere Gesellschafterstruktur erfordert eine ausgewogene Governance sowie rechtliche Beratung, die langfristiges unternehmerisches Denken mit unterschiedlichen Interessen in Einklang bringt. In einem inhabergeführten Unternehmen können Entscheidungen schneller, direkter und pragmatischer getroffen werden. Das reduziert Reibungsverluste, verringert Frustration und führt trotz der Größe des Unternehmens zu einer hohen Identifikation mit der eigenen Arbeit. Veränderungen werden schneller sichtbar und können aktiv begleitet werden – was der täglichen Arbeit spürbar Sinn und Bestätigung gibt.

Besonders anspruchsvoll ist zudem, dass ich Kolleginnen und Kollegen berate, deren eigener Beruf es ist, andere zu beraten und kritisch zu hinterfragen. Das setzt ein hohes fachliches Niveau, klare Positionen und Standfestigkeit voraus. Gleichzeitig bewegen wir uns in einem berufsrechtlich stark regulierten Umfeld, in dem rechtliche Risiken nicht nur wirtschaftliche, sondern auch berufsrechtliche Konsequenzen haben können. Gerade diese Kombination macht die Rolle fachlich fordernd und zugleich besonders reizvoll.

 

Was waren die wichtigsten Erfolgsfaktoren, dass die Vereinbarkeit von Karriere & Familie für dich gut funktioniert?

Entscheidend ist Flexibilität – sowohl die eigene als auch die des Arbeitgebers. Rödl schenkt mir Vertrauen und Freiheit, meinen Job vor allem zeitlich flexibel zu gestalten. Ich arbeite auch einmal abends länger. Früher habe ich diese Zeiten für Studium oder Promotion genutzt, heute für meine berufliche Tätigkeit. Dafür kann ich mir aber unter der Woche oder tagsüber bewusst Zeit für meine Familie nehmen. Diese Form der Flexibilität erfordert in einer Rolle wie meiner Offenheit und Eigenverantwortung.

Ein weiterer zentraler Faktor ist Organisation. Das gilt unabhängig davon, ob familiäre Unterstützung vorhanden ist. Aufgaben abzugeben oder auszulagern, ist in unserer Konstellation der doppelten Berufstätigkeit absolut notwendig. Auch für mich war das zunächst gewöhnungsbedürftig, aber es ermöglicht uns als Familie, gemeinsame Zeit bewusst zu erleben.

Wichtig war für mich die Erkenntnis, dass Karriere eine aktive Entscheidung ist. Sie bedeutet Einsatz und kann erfordern, eigene Bedürfnisse sowie die des Partners oder der Kinder zeitweise zurückzustellen. Entscheidungen wirken sich auf verschiedene Lebensbereiche aus. Karriere heißt für mich beispielsweise, nicht jeden Tag früh an der Kita zu sein, nicht immer selbst zu backen oder sich im Elternbeirat zu engagieren. Das ist eine bewusste Abwägung und für mich in Ordnung.

Gleichzeitig verändern sich die Bedürfnisse der Kinder. Als ich in der achten Klasse unseres ältesten Sohnes meinen Beruf vorstellen durfte, war spürbarer Stolz vorhanden. Zudem ermöglicht unsere berufliche Situation unseren Kindern Bildungsaufenthalte im Ausland und Reisen, die bei anderen Entscheidungen nicht möglich gewesen wären.

Alles hat seinen Preis – entscheidend ist, dass man ihn bewusst wählt.

Jede Frau und jede Familie sollte ihr spezifisches Lebensmodell selbst wählen können. Die Konsequenzen, die sich aus dieser Wahl ergeben, müssen alle Familienmitglieder dann auch mittragen. Für mich war es immer wichtig, dass Frauen ihre Identität nicht ausschließlich über traditionelle Rollen definieren. Finanzielle Unabhängigkeit halte ich zudem für zentral, insbesondere mit Blick auf Teilzeitarbeit und die damit einhergehende Altersarmut von Frauen. In dieser Diskussion kommt jedoch oft zu kurz, dass berufliche Verwirklichung neben der finanziellen Absicherung gerade in anspruchsvollen Führungspositionen auch zu Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit führt. Eine Erfüllung, auf die ich nicht mehr verzichten wollen würde.

Was würdest du Berufseinsteigerinnen mitgeben, die sich in der Zukunft vielleicht in einer ähnlichen Rolle wie deiner sehen?

Sucht euch eine Mentorin, die bereits dort ist, wo ihr hinwollt, und nutzt ihre Erfahrung. Baut euch ein Netzwerk mit Kolleginnen auf, die ähnliche Ziele verfolgen. Der Austausch entlastet und stärkt – auch mental.

Ebenso wichtig ist ein Partner oder eine Partnerin, die die eigene berufliche Entwicklung unterstützt. Macht euch frei von gesellschaftlichen Erwartungen und überholten Rollenbildern.

Führungspositionen erfordern Ehrgeiz, Durchhaltevermögen und Einsatz. Ein gewisses Maß an Glück gehört auch dazu. Bei allem beruflichen Anspruch sollte man jedoch sich selbst nicht aus dem Blick verlieren und sich mit Nachsicht begegnen.

Wir selbst sind das Wertvollste, was wir haben.

 

Vielen Dank für das Interview!

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